Fortbildung – oder Antonio und die Tücken der Technik

Vom Mutter- bis zum Vatertag machten sich 24 Kolleginnen und ein Kollege der G 11 auf in die Champagne, um sich fortzubilden. Um sich fortzubewegen, benutzten sie einen Bus, und um diesen zu lenken, gab es Antonio[1]. Und um’s vorweg zu nehmen: Antonio vertraut der Technik. Insbesondere vertraute er dem Navigationsgerät, was dazu führte, dass wir nur am letzten Tag pünktlich zu unseren Terminen kamen (die waren nämlich in Reims, und wir haben die meisten zu Fuß aufgesucht). Schon interessant, dass die Passagiere immer schon merkten, dass er falsch fuhr, weil sie die Schilder gelesen hatten, bevor Antonio abgebogen ist, oder eben nicht.

Es war uns aber keiner unserer Gastgeber böse. Und dass die Museumsbesichtigung in Verzenay nicht mehr geklappt hat, lag nicht an Antonio sondern an unserem Kaufrausch. Unglaublich, wie viel Champagner ein paar Lehrerinnen und Lehrer so kaufen, wenn sie richtig angesprochen werden! (Eine Art von Puppy dog close ist das, glaube ich: lass sie probieren, genug probieren, dann kaufen sie auch.)

Nach einer Einführung in die Arbeit des CIVC, des Champagne-Gesamtverbandes, der die Interessen der Winzer und der Champagnerhäuser vertritt, indem er beispielsweise dafür sorgt, dass der Begriff Champagne nicht missbraucht wird, ging es am Montag nach Chouilly, einem Dorf in der Côtes de Blancs zu Legras & Haas. Das ist ein kleines Champagnerhaus, das als Familienverbundbetrieb (drei Söhne als jeweils eigenständige Winzer und die Eltern als Champagne-Haus) vor allem ganz tolle Blanc de Blancs herstellt.
http://www.legras-et-haas.com/spip.php?page=sommaire&lang=fr&passer=1

Am Dienstag stand mittags die Winzergenossenschaft von Passy-Grigny im Vallée de la Marne auf dem Programm, die sich auf Blanc de Noirs aus bis zu 100% Pinot Meunier spezialisiert hat. Sie vermarktet ihre Produkte unter dem Markennamen Dom Caudron. Uns haben sie bewiesen, dass sich Champagner wirklich hervorragend mit Speisen verträgt. Sie hatten ein Büffet aufgebaut und zu jedem der 5 (!) Champagner, die wir probieren durften, gab es ein oder zwei kleine Speisen. Ein sehr interessantes Erlebnis. Beispielsweise passt der Cornalyne ganz hervorragend zum Weichkäse Chaource.
http://www.domcaudron.com/index-fr.html

Danach ging es einige Dörfer weiter nach Villers sous Châtillon zu J. Charpentier, einem Winzerbetrieb, der selbst vermarktet. Das besondere hier war, dass es sich um einen ganz bäuerlichen Betrieb handelt, keine große Firma, der durch Direktvermarktung überlebt. Sie verarbeiten ausschließlich ihre eigene Lese zu einigen sehr ausdrucksstarken Champagnern. Geführt wurden wir von der Schwiegertochter des Hauses, die natürlich Alles beantworten konnte, was wir so wissen wollten.
http://www.jcharpentier.com/

In diesen ersten drei Häusern haben wir zugeschlagen und so viel Champagner (und Schnickschnack) eingekauft, dass Antonio blass wurde und sich fragte, wo wohl das Gepäck bleiben sollte. (Es hat aber am Ende doch alles reingepasst!)

Am dritten Tag sind wir in Reims geblieben und haben große Marken besichtigt. Zunächst waren wir in einem der wohl beeindruckendsten Häuser, was das Marketing angeht: Pommery. Die Firma Pommery hat schon seit ihren Anfängen gewusst, wie sie sich darstellen muss, um erfolgreich zu sein, insbesondere in England. Das Anwesen scheint aus dem UK nach Reims verpflanzt worden zu sein, hat royale Ausmaße und lässt jeden Besucher in Ehrfurcht erstarren. Und die Keller mit ihrer Kunstausstellung stehen dem Ganzen in nichts nach. Allein die 116 Stufen in die 18 km langen Gewölbe rauben einem den Atem ;-).
http://www.vrankenpommery.de/

pommery

Die Pommery-Führung ging nahtlos in die Besichtigung der Villa Demoiselle über, die ebenfalls zu Vranken gehört. Sie ist das Aushängeschild des Champagners Demoiselle und ein außerordentliches Anschauungsstück für den französischen Jugendstil der Stilrichtungen Paris und Nancy.
http://www.vrankenpommery.de/produkte_demoiselle.php

Der Abschluss, und dank der Führung durch Catherine und die beeindruckenden Crayeres, die aus römischer Zeit stammenden unterirdischen Kreidesteinbrüche, die zusammen mit der Krypta und den alten Kellern einer im 19 Jahrhundert nach der französischen Revolution abgerissenen Kirche den Kern der Kelleranalagen dieses Hauses bilden, vielleicht auch der krönende Abschluss des Programms war das Haus Taittinger. Die hier verkosteten Champagner bestachen durch Eleganz und ein weiches, schmeichelndes Mousseux.
http://www.taittinger.com/

Wir danken allen Häusern, dem CIVC und seinem Büro in Stuttgart unter Leitung von Christian Josephi, hier insbesondere Frau Kohlrausch, für die Gastfreundschaft und die Organisation.

Und wir danken Antonio, der trotz ein paar Kilometern zu viel immer gut mit uns umgehen konnte. Und das sogar nachdem Kollegin Isabell auf der Hinfahrt den Bus geflutet hatte und auf der Rückfahrt, während der die diversen Pausenwünsche infolge Kaffeekonsums mich fast zur Weißglut gebracht hätten :-).

Ich danke den mitreisenden Kolleginnen für die gute Stimmung während der Tour und freue mich schon auf das nächste Mal.

Jens Hatje

[1] alle Namen sind geändert, alle Vorfälle natürlich frei erfunden und alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder nicht mehr lebenden Personen wären ggf. rein zufällig

champagne

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